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Ferdy Doernberg

Ferdy Doernberg, Multiinstrumentalist, Bandleader von ROUGH SILK, Produzent, sowie langjähriger Keyboarder von AXEL RUDI PELL, befindet sich mit Selbigem gerade auf Deutschlandtour, rockt abends die großen Hallen und nahm sich dennoch nachts die Zeit, um für ein MHF Interview Rede und Antwort zu stehen.


MHF: Wie geht’s dir? Seid ihr mit dem bisherigen Verlauf der Tour zufrieden?

FERDY: Ja, sehr! Es läuft wirklich hervorragend - diverse Konzerte wurden in größere Hallen bzw. Clubs verlegt!!! Nee, wir können uns wirklich nicht beschweren!

MHF: Was ist der größte Unterschied zwischen Deinen Touren mit Axel Rudi Pell und Deinen Touren mit Rough Silk?

FERDY: Bei Rough Silk sind es ja meine oder zumindestens von mir mitgeschriebene Songs und bei ARP kommen natürlich deutlich mehr Leute! Aber ansonsten gibt es da keinen Unterschied! Ich spiele ja ausserdem noch viel mit Matt Gonzo Roehr (Ex-Onkelz-Gitarrist) und solo - insofern: Hauptsache spielen!!!

MHF: Hat es eine Auswirkung auf Deine Performance ob Du vor 50 ausrastenden Die-Hard-Fans spielst, oder auf großen Festivals vor eher desinteressierten Festivalhoppern?

FERDY: Nein - ich versuche immer 100% zu geben!!! Das haben dann die "interessierten" Fans nicht verdient, daß man sich hängenläßt - ausserdem habe ich "Scheissgigs" vor vielen Leuten erlebt ebenso wie tolle Konzerte vor 9 zahlenden Gästen!!!

MHF: Auf der Helloween Tour ‘ 94, die mit Rough Silk stattfand, schien es, als wäre das Outfit der Band mindestens genauso wichtig wie die Performance selbst, wenn nicht gar wichtiger. Aufgrund dieses Auftritts gehörten Rough Silk für uns eher zu den Bands welche unter „ferner liefen“ firmierten, mit der „End of Infinity“ Scheibe jedoch, hat sich dies geändert und wir wurden zu Rough Silk Fans. Was ist passiert? Gab es einen künstlerischen Befreiungsschlag?

FERDY: Hm - das kann ich so nicht bestätigen - uns war die Musik immer sehr wichtig und wir haben eigentlich nie die Optik über die Musik gestellt!! Ich finde auch nicht, daß wir damals so "poserhaft" aussahen! Ok, wir hatten noch lange Haare - aber ich habe auch damals schon meine Army-Weste und die Ranger-Boots getragen, die ich heute immer noch oft auf der Bühne trage ( wenn auch leider nicht mehr in der selben Größe - zugegeben !! ) - aber auch heute gehe ich nicht im alten Jogginganzug auf die Bühne - das hat für mich auch etwas mit Respekt a) dem Publikum und b) der Musik gegenüber zu tun! Ausserdem ist es ja immer noch Showbusiness - und das zieht sich durch alle Musikrichtungen (von Schlager zu Hardcore bis hin zu Black Metal!). Wir hatten ja schon immer, obwohl man uns immer eher in die Power-Metal-Ecke gesteckt hat, starke Verbindungen zum Trash und Hardcore - das fing schon auf der Walls Of Never-CD mit Songs wie z.B. "Toxical Roses" und "H8 what u want" an und wurde besonders auf der "Mephisto"-CD und der "Beyond the Sundown" , die ich immer noch als ein Highlight der Bandgeschichte ansehe, deutlich! Meine erste Band war ja eine "Ramones-artige" Punkband und spätestens nach Anthrax´ "Among the living“, die ja viele NYC-Hardcore-Elemente beinhaltete, was ja in der Szene nicht unumstritten war damals, hatte ich auch die anderen Original-Rough Silk-Mitglieder auf den Geschmack der Verbindung von Hardcore und Metal gebracht. Bei uns gab es dann natürlich zusätzlich klassische Klavierparts, Slidegitarren und allerlei untypisches Zeug, so daß wir die beiden Bandnameneckpunkte "Rough" und "Silk" in extreme Kontraste umsetzten, was uns zwar eigenständig sein liess, aber natürlich auch vielen Leuten zu sperrig und nicht eindeutig genug war. Insofern waren wir nicht kategorisierbar und zudem des Öfteren mit dem richtigen Song leider zur falschen Zeit am falschen Ort, was dem Ganzen irgendwann kommerziell das Genick brach, so daß immer mehr Mitglieder ihre Prioritäten woanders suchten ( Job, Studium, Familie ), so daß sich die Band 2003 ( im Nachhinein deutlich zu spät, da ausser mir rückblickend keiner mehr wirklichen Enthusiasmus in die ganze Sache steckte und es nur noch als Hobby ansah...) auflöste...

Wir haben es meiner Meinung schon früh geschafft, einen eigenen Stil zu entwickeln, der bereits im Bandnamen manifestiert wird. "Rough" steht für die teilweise sehr harten trashigen und im Riffbereich sogar Hardcore- und Death Metal-beeinflussten Metaleinflüsse und "Silk" für die untypischen leisen Töne, Singer/Songwriter-Elemente und Pianoparts. Das "End of Infinity"-Album war ja sozusagen eine Art Abschiedsalbum, auf dem viele uralte Ideen noch aufgenommen wurden, wie z.B. Isolation, Carry on, End of Infinity und Restless Heart, die ja allesamt überarbeitete Uralt-Tracks aus Demo-Zeiten waren, die es nie auf ein Album geschafft hatten und die wir aber zu gut zum Wegwerfen fanden. Nach dem Split konzentrierte ich mich auf meine Solokarriere als Singer/Songwriter, die erstaunlich erfolgreich verläuft - weit mehr als ich es erwartet hatte und spielte viel mit Axel Rudi Pell, in dessen Band ich nun schon seit 14 Jahren festes Mitglied bin, und tourte ausserdem mit Uli Jon Roth, John Wesley Harding, Holy Moses, Jason Ringenberg und vielen anderen. Irgendwann hatte ich dann aber viele Ideen für Metal-Songs, die definitiv nicht auf meine Soloalben gepasst hätten und vermisste es irgendwie, eine "eigene" Metalband zu haben. Also gründete ich mit André Hort und Mike Mandel, mit denen ich schon länger befreundet war, da ich u.a. das Album ihrer Band A.O.D. produziert hatte und sie mit A.O.D. auch bei diversen Gigs als Vorgruppe von Rough Silk gespielt hatten. So begannen wir, zusammen Songs zu schreiben und irgendwann hatten wir dann genug Material für ein Album. Ursprünglich wollten wir der Band einen ganz anderen Namen geben, aber als wir den ersten Freunden die Songs vorspielten, sagten die alle einstimmig, daß das mehr nach Rough Silk klingen würde als die letzten RS-Alben. Da die anderen Originalmitglieder sowieso nichts mehr machen und ich die Namensrechte besitze, überlegten wir kurz und so wurden wir zur Neuauflage von Rough Silk. Nun brauchten wir nur noch einen Drummer, den wir nach kurzer Suche in Alex Wenn fanden. Mir war sehr wichtig, daß alle Mitglieder die Band als eine wirkliche Band ansehen und nicht als ein weiteres Projekt. Das war auch der Grund, warum ich keine satten, nur am Geld interessierten Profi-Musiker aus anderen Bands haben wollte, die, bevor sie ein Instrument anfassen erstmal fragen, wieviel sie denn dafür bekämen, sondern junge und enthusiastische Cats, die wirklich noch Gas geben wollen. Wir wohnen alle im Radius von 20 Kilometern und haben einen Proberaum - und sind also eine "richtige Band" im klassischen Sinn. Das gibt es leider nicht mehr so oft.

MHF: Wie hat sich, aus Deiner Sicht als Musiker und Produzent, das Musikgeschäft in den letzten 30 Jahren verändert?

FERDY: Ich bin der Meinung, dass es nicht wirklich eine schlechte Sache ist, dass das Musikbusiness derartig den Bach runter geht, da sich das Ganze a) verselbstständigt hat und sich b) hinterher die Spreu vom Weizen trennen wird – d.h. wer in der Lage ist, ohne viel Technik, Tourbus, Crew und Aufwand live zu spielen und sich auch nicht zu schade ist, sein Equipment selbst aufzubauen, wird auch weiterhin spielen können, da es immer Musik geben wird – die selbsternannten „Rockstars“ und vor allem die „Businessparasiten“ hingegen werden es nicht mehr ganz so leicht haben. „Integrity“– „I officially declare myself an enemy of the music business“– klarer geht´s ja kaum – oder? Hier geht es neben den oben erwähnten Punkten auch noch darum, dass in den größeren Medien alles nur noch auf Bestechung ( z.B. durch das Buchen von Anzeigen ) basiert und nicht mehr auf der Qualität von Musik. Wie vorhin schon gesagt, bin ich der Meinung, daß die Krise im Musikbusiness nicht wirklich nur etwas Schlechtes darstellt. Natürlich gibt es deutlich weniger Unterstützung seitens der Plattenfirmen - aber ich bin sowieso ein großer Fan des "Do-it-yourself-Prinzips". Dafür sind sich viele gerade im Metal-Bereich zu fein - aber mit meinen Solosachen fahre ich auch jedes Wochenende irgendwohin, baue meinen Kram selbst auf, spiele die Show, baue selbst wieder ab und fahre zum nächsten Gig. In Amerika ist das - ausser bei den ganz großen Acts - gang und gäbe - aber hier haben alle noch diese Business-Brille auf und wenn man dann zu einem Konzert geht und 2 Nightliner vor der Tür stehen, im Club ungefähr 20 Leute mit Tourpässen rumstehen aber nur 40 zahlende Gäste, dann fragt man sich doch, wie zur Hölle sich das denn finanzieren soll !!! Da wird es in den nächsten Jahren ein großes Umdenken geben müssen. Das Musikbusiness, wie es jetzt existiert, wird sich gehörig verändern unter anderem wegen des Internets. Das wird von allen bejammert - ich sehe das aber eigentlich als eine gute Sache an, da sich damit auch die Spreu vom Weizen trennen wird. Dieses Überangebot, das wir zur Zeit haben, ist doch Wahnsinn. Jeden Monat erscheinen ungefähr 350 CD´s zum Beispiel nur im Metal-Bereich - wer soll denn das alles kaufen? Und das Schlimme daran ist, daß die Hälfte der Bands nur Plastik ist. Projekte, bestehend aus 2 Typen und einem Drumcomputer, die sich für´s Foto ein paar Langhaarige dazu genommen haben, brav das obligatorische Schwert hochhalten und natürlich nie auch nur ein einziges Konzert gespielt haben. Die wirklich guten und talentierten neuen Bands gehen zwischen diesen ganzen Retortenbands natürlich unter, wenn sie nicht wirklich viel Glück bzw. viel Geld in der Hinterhand haben.

MHF: Stichwort Pressearbeit: Zum Anfang einer Bandkarriere empfiehlt es sich über ausreichende Kontakte zur Presse zu verfügen. Dieses gewisse Vitamin B ist dabei durchaus ein Segen. Hat man mit der Band einen gewissen Status erreicht, können zu enge Beziehungen mit diversen Pressevertretern sicher durchaus auch zu einem Fluch werden. Wie lautet dein Patentrezept für einen sicheren Umgang mit der Presse?

FERDY: Da gibt es kein Patentrezept - es gibt viele coole Presse-Leute und viele uncoole wie z.B. Magazine, die eine gute Kritik von einer bezahlten Anzeige abhängig machen, wo es dann absolut nichts mehr mit der Qualität der Musik zu tun hat, ob man ein gutes Review bekommt - das ist eine beängstigende Entwicklung !!! Ich habe kein Problem mit ehrlicher Kritik. Aber die Realität sieht inzwischen ja leider so aus, daß eine gute Kritik mit dem Buchen von Anzeigen gekoppelt ist und das ist natürlich zum Kotzen. Ich freue mich natürlich immer sehr, wenn sich jemand damit auseinandersetzt und sich vielleicht mal das Booklet zur Hand nimmt und die Texte mal mitliest.... Ich meine - ich habe ein halbes Jahr gebraucht , um die CD aufzunehmen - da kann ich doch eigentlich erwarten, daß sich das Ganze jemand zumindestens mal konzentriert durchhört und nicht einfach nur kurz was von wegen "....klassischer Hardrock wie Axel Rudi Pell..." schreibt und die CD dann bei EBay verkauft.......

MHF: Den Meisten bist du als Keyboarder bekannt. Dennoch hast du auch einen höchst eigenen, originellen Slidegitarren-Stil entwickelt. Welche Instrumente spielst du noch und wie begann dein Interesse am Musizieren?

FERDY: Ich habe mit 6 mit Klavier begonnen - mit 8 kam die Trompete hinterher. Und mit 12/13 die Gitarre...... Auf Slide habe ich mich so mit Anfang 20 spezialisiert. Klar, im Metal-Bereich kennt man mich eher als Keyboarder - aber ich mache genauso viel - wenn nicht inzwischen sogar mehr - als Slide-Gitarrist ( viel Studiojobs u.a. Tatort-Soundtrack, etc... ). Da es nicht so viele Leute gibt, die hier in Europa Lap Steel, Dobro, Hammond oder Akkordeon spielen - speziell nicht im Rockbereich, habe ich mich darauf ein bischen spezialisiert. Gerade der Beruf des klassischen Keyboarders ist ja eine aussterbende Spezies, seitdem immer mehr Bands einfach ein Laptop mitnehmen und das ja leider von den Fans auch problemlos akzeptiert wird. Ein Freund von mir spielt in der Band von Jessica Simpson, und da ist wirklich alles "live" - wohingegen bei vielen Metalbands ja inzwischen durchaus die große Playbackshow angesagt ist - verkehrte Welt!!!!

MHF: Welches Instrument verlangte dir beim Erlernen die meiste Mühe ab und wieso?

FERDY: Das kann man nicht so einfach beantworten - jedes Instrument ist schwer zu erlernen - aber wenn man bereits ein Instrument spielt, fällt es natürlich leichter, andere Instrumente zu entdecken, da man ja nicht mehr die Grundbegriffe der Musik neu erlernen muss!!!

MHF: Was ist deiner Meinung nach beim Erlernen eines Instrumentes wichtiger: ein guter Lehrer oder autodidaktische Disziplin?

FERDY: Auch das kann man nicht so einfach beantworten - Ich denke, es gehört sowohl Talent als auch Fleiss dazu! Natürlich hilft es, einen guten Lehrer zu haben - aber man muß sich auch rechtzeitig "abnabeln" um einen eigenen Stil zu entwickeln und nicht immer nur seinen jeweiligen Lehrer zu kopieren!


MHF: Welchen Bands oder Musikern hast du zu dieser Zeit nachgeeifert? Wer waren deine Idole?

FERDY: Wieviel Zeit hast Du denn?

Ja klar mein Dad - auf jeden Fall - zumindestens als Kind und Jugendlicher. Später natürlich Tausende von Platten - frei nach Bruce Springsteen: "...We learned more from a three-minute record, baby, than we ever learned in school.........!" Ansonsten denke ich, daß man als Musiker bzw. als Mensch generell niemals aufhören sollte, neuen Einflüssen gegenüber offen zu sein und eigentlich immer lernwillig bleiben sollte. Ich habe von so ziemlich jedem Musiker, mit dem ich gearbeitet habe, etwas gelernt - manches Mal im positiven Sinne - oft aber auch im negativen!!! Meine erste Band war ja eine "Ramones-artige" Punkband und spätestens nach Anthrax´ "Among the living“, die ja viele NYC-Hardcore-Elemente beinhaltete, was ja in der Szene nicht unumstritten war damals, hatte ich auch die anderen Original-Rough Silk-Mitglieder auf den Geschmack der Verbindung von Hardcore und Metal gebracht. Bei uns gab es dann natürlich zusätzlich klassische Klavierparts, Slidegitarren und allerlei untypisches Zeug, so daß wir die beiden Bandnameneckpunkte "Rough" und "Silk" in extreme Kontraste umsetzten, was uns zwar eigenständig sein liess, aber natürlich auch vielen Leuten zu sperrig und nicht kategorisierbar genug war. Ich höre privat fast alles von Jazz über FolkBlues/Singer-Songwriter-Sachen bis hin zu Punkrock und wirklich hartem Zeug. Ich habe auch kein Problem mit gutgemachter Popmusik. Wenn man heute guten melodiösen Hardrock hören möchte, muß man sich ja eher bei den ganzen moderneren Countryrock-Leuten aus Nashville wie z.B. Toby Keith, Dierks Bentley, Montgomery Gentry oder Big & Rich umhören - nicht umsonst sind ja viele Musiker aus der alten LA - Szene inzwischen nach Nashville umgesiedelt und spielen heute auf eben diesen Platten - z.B. Dann Huff von Giant. Die meisten alten Hardrock Bands bringen - wenn es sie überhaupt noch gibt - ja nur noch wirklich schlechte Alben heraus oder veröffentlichen alte Demos mit Drumcomputer als "neue CD" um die Kassen mal wieder etwas aufzufüllen. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel (wie z.b. die letzte Night Ranger-CD oder die letzte Stan Bush-Scheibe. To make a long story short: Ich bin - was Musik angeht - ziemlich offen und habe eigentlich gar keine "Lieblingsmusikrichtung".........

MHF: Inwieweit ist es heutzutage schwieriger sich als Profimusiker zu etablieren?

FERDY: Ich glaube, das war immer schon schwierig - Grundvoraussetzung ist natürlich Talent und Können - dann ist aber auch eine gehörige Portion Glück vonnöten! Man muß halt mit dem richtigen Song zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein!!!!

MHF: In der bisher 40 jährigen Geschichte des Heavy Metals hat die Welt jedes erdenkbare Extrem gesehen, erlebt und gehört, als da wären, Düsenjets die über Bühnen brettern, ein unfassbarer Merchandise Overkill, inklusive Toilettenpapier und Särgen, extreme menschen- verachtende Plattencover und erschossene Bandmitglieder, auch musikalisch scheint alles gesagt und gespielt worden zu sein. In all diesen Irrungen und Wirrungen, wo ziehst du persönlich die Trennlinie zwischen extremer Kunst und imageträchtiger Marktanbiederei?

FERDY: Da sind natürlich die Grenzen fliessend....

Wenn Metal, dann höre ich persönlich eher wirklich harte Musik wie z.B. Trash, Hardcore und Death Metal - ich finde, daß Metal eine Stilrichtung ist, die mit ( durchaus positiver ) Aggression zu tun hat und irgendwo "wehtun" muß - deshalb kann ich mit dem , was heute Powermetal genannt wird, auch nicht ganz so viel anfangen. Für mich sind das oft eher Schlager oder Kinderlieder mit Doppelbass darunter. Die klassischen US-Powermetalbands wie z.B. Armored Saint, Omen, Vicious Rumors oder Lääz Rockit meine ich damit aber nicht - das war eine ganz andere Baustelle und eben wirklich coole Bands ! Natürlich liebe ich auch nach wie vor die ganzen klassischen Alben der NWOBHM, klassischen Hardrock und auch die ganzen großen Ami-Bands der 70er und 80er. Aber in diesem Bereich kommen irgendwie keine interessanten neuen Bands mehr zu Tage. Ich finde, daß die Interessanteren neueren Alben eher aus dem Bereich Hardcore ( z.B. die letzte Agnostic Front, Sick Of It All oder Roger Miret & The Disasters ! ), Trash ( die letzte Slayer-CD, Testament und die letzte Machine Head waren z.B. der Hammer ! ) und Death-Metal ( z. B. die letzten CD´s von Cannibal Corpse und Deicide ) oder sogar von New-Metal-Bands wie Linkin Park, die wirklich gute Songs schreiben, kommen. Nicht zu vergessen die neue Morbid Angel-CD, die alle brav verreißen, die ich aber sehr interessant und abgefahren finde!

MHF: In deiner langjährigen Karriere als Künstler hast du schon mit vielen Szenegrößen zusammen gearbeitet, unter anderem Jon Oliva (Savatage). Basieren solcherlei Zusammenarbeiten auf reiner Freundschaft bzw. aus Interesse an der Musik des jeweils anderen oder steckt lediglich schnöde Business Mentalität dahinter?

FERDY: Ach weisst Du, es kommt ja nicht nur auf den Stil an. Und ich finde den inflationären Gebrauch des Wortes "Kommerzialität" auch etwas anstrengend! Ich meine, es ist ja auch ein Beruf und deshalb ist nichts Verwerfliches daran, daß man damit nunmal auch Geld verdienen will / muss!!! Und das ist nunmal auch bei den ach so "unkommerziellen" Bands so - die haben eben genau das zu ihrem Image gemacht.... Ich persönlich habe genau das schon oft erlebt: Manchmal wird man zum Beispiel für einen Studiojob mit einer völlig coolen Metalband gebucht - freut sich auch sehr darauf - und dann entpuppen sich die Musiker bzw. die Studiocrew als Arschlöcher und man selbst hat auch nicht viel Interessantes zu spielen ausser ein paar Akkorden im Hintergrund, die dann auf der CD eh´ kaum zu hören sind. Im Gegensatz dazu hat man halt manchmal Sachen, wo man vorher denkt:"Na ja - muß ich das wirklich machen?" - fährt dann da hin und die Leute sind super und hochprofessionell und musikalisch ist es viel anspruchsvoller als erwartet. So geschehen im Fall Carpendale, der a) ein super-angenehmer und intelligenter Kollege ist, b) mit hervorragenden Musikern wie z.B. Frank Itt von u.a. Terence Trent d´Arby (den übrigens Johnny von ARP heiß verehrt!) zusammenarbeitet und den ich seitdem sehr schätze. Er ist ja auch kein "Schlagersänger" sondern eher das, was man in den USA einen Entertainer nennen würde. Ich war auch ein paarmal zu Gigs von ihm eingeladen und das ist auch live qualitativ sehr gut. Ähnlich war´s mit Emma Bunton von den Spice Girls - da hatte ich auch eigentlich nicht so richtig Bock drauf und dann war´s richtig cool, da Emma eine wirklich gute Musikerin ist und menschlich absolut klasse und "down to Earth" und ich das Material ihrer Soloplatten inzwischen auch sehr gut finde. Ich bin stilistisch sowieso sehr offen und denke, daß es in jedem Genre gute und schlechte Sachen gibt. Nur mit Techno habe ich mich noch nie wirklich anfreunden können. Aber selbst vor Hip Hop habe ich keine Berührungsängste - als wir mit Axel in Bulgarien gespielt hatten, spielte auch Busta Rhymes und Mike Terrana und ich sind nur mal kurz gucken gegangen und dann den ganzen Gig über dageblieben, weil es einfach eine perfekte Show war - gerade im rhythmischen Bereich. Das Scratchsolo war im Prinzip nichts anderes als ein Schlagzeugsolo und Mike und ich waren echt begeistert. Mit den ganzen Deutschen Hip-Hoppern kann ich aber weniger anfangen - das ist mir ein bischen zu aufgesetzt. Hier in Deutschland brennen nun mal keine Mülltonnen auf der Strasse....................

MHF: Nach deiner Zusammenarbeit mit Holy Moses; könntest du dir vorstellen mit noch extremeren Bands zu kooperieren? Sagen wir du hättest die Wahl zwischen Napalm Death, Ministry und Watain. Welche Band entspräche am ehesten deinem Gusto?

FERDY: Von den dreien ? Napalm Death auf jeden Fall !!!

MHF: Noch eine Frage zu Kollaborationen in Sachen Musik. In welchem Genre, außerhalb des Metalbereichs, würdest Du dich gerne mal austoben?

FERDY: Ich mache ja sehr viele verschiedene Sachen und nur ein kleiner Teil davon ist Metal!! Da ist von Jazz über Filmmusik bis hin zu Singer/Songwriter-Sachen diverses Zeug dabei! Wenn jemand Interesse hat, kann er sich ja mal auf www.ferdydoernberg.de informieren, was ich alles so mache!

MHF: Wer wäre Dein absoluter Traumkandidat für ein gemeinsames Projekt?

FERDY: Schwer zu sagen - da wüsste ich jetzt keinen im Speziellen! Ich hatte jetzt auch schon die Ehre mit mehreren meiner Idole zusammenarbeiten zu dürfen - in einigen Fällen war das toll - in anderen führte es dazu, daß ich mir nie wieder eine Platte von denen anhören würde! Insofern ist es manchmal besser, seine Idole nicht kennenzulernen!!!

MHF: Stell Dir vor Du hättest ein Tour Budget von unbegrenztem Ausmaß. Wie würde die perfekte Rough Silk Bühnenproduktion aussehen?

FERDY: Nicht allzu überkandidelt !!! Wir sind einfach nur eine Band!!! Ich persönlich finde eine eher spartanisch gehaltene Slayer-Show auch cooler als die ganzen Drachen-, Gargoyle-, Pappmaschee- Aufbauten, die es oft so gibt!!!

MHF: Wie sind die Zukunftspläne von Rough Silk?

FERDY: Die neue CD "The good, the bad & the undead" ist fertig und wird im Sommer über Rebellion-Records erscheinen - und danach hoffen wir auf viele coole Gigs!!!


Weiter Informationen zu Ferdy findet ihr hier:

www.ferdydoernberg.de

www.rough-silk.com

www.axel-rudi-pell.de

 

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