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W:O:A 2011

 

Wacken Open Air

04.08.-06.08.2011, Wacken

 

 

Alle Jahre wieder und schon zu einer Tradition geworden, ist die Reise nach Wacken am ersten Augustwochenende. Dieses Jahr sollte es auch etwas ganz besonderes werden, denn niemand anderes als der „Prince of fucking darkness“ hatte sich angemeldet, OZZY OSBOURNE! Neben Ozzy standen natürlich noch weitere Hochkaräter auf der Bühne, u.a. wären da zu erwähnen: JUDAS PRIEST, ICED EARTH, SEPULTURA, SODOM, etc.! Ein W:O:A der Extraklasse meldete sich also an!

 

Mittwoch

Seit einigen Jahren bietet sich der Mittwoch als perfekter Anreisetag an, da die Bands ja nun schon am Donnerstag beginnen (Night to Remember). Also wird am Dienstag der Ranzen geschnürt und Mittwochmittag werden die Segel gesetzt, gen Wacken. Die Fahrt stellt sich als sehr kurzweilig und stressfrei heraus. Es gibt weder Probleme mit Staus oder größeren Umwegen und so erreichen wir Wacken, nach nur 5 Stunden, relativ entspannt. Das Wetter zeigt sich von der besten Seite, hatte man doch im Vorfeld noch Bedenken, was das anging, da der Sommer ja eher ein Herbst war und bis jetzt der Regen die Oberhand hatte. Sonne ist ja auf der einen Seite ganz nett, auf der anderen wiederrum auch ungünstig, wenn man die Fahrt über die ganze Zeit die Sonnenseite im Auto sein Eigen nennt dann führt das schon mal zu Unwohlsein und einer halben Stunde Schlaf nach dem Zeltaufbau. Aspirin sei Dank, bin ich dann auch wieder fit genug, um mich über das mitgebrachte Tyskie herzumachen!

Da am Mittwoch das Programm nichts wirklich Interessantes hergibt, vertreibt man sich die Zeit mit dem Begutachten des Festivalareals und dem Treffen von Freunden. Das Gelände hat sich nicht wirklich verändert, was die Aufteilung angeht. Das Einzige was sofort ins Auge sticht ist das weitaus größere Bullhead City Zelt, dessen Sinn sich mir bis heute nicht erschließt, aber schön, sollen sie machen. Auf dem Vorfeld ist auch alles beim Alten und der Biergarten nervt wie jedes Jahr genau wie die Biergartenbühne. Ebenfalls neu, aber bei weitem nicht so nervig, sind die Pfahlsitzer in der Nähe des Metalmarktes. Hier können Besucher des Festivals Sitzfleisch beweisen und wenn sie es schaffen 6 Stunden auf einem der Pfähle zu sitzen, so nehmen sie an der Verlosung von verschiedenen gesponserten Sachpreisen teil und haben die Chance eine Band vom Fotograben aus zu verfolgen. Gleich in der Nähe der Pfahlsitzer ist auch noch eine andere kleinere Erneuerung die mir positiv auffällt, neue Klocontainer. Einzel WCs die ständig gereinigt werden und an der äußeren Stirnseite fließend Wasser und Seifenspender anbieten, wobei die Seifenspender leider nur am Mittwoch noch zu gebrauchen waren, da sich irgendwelche Idioten den Inhalt gleich eingekreist haben oder die Spender, samt Halterung, ablatschten. Egal, der Gedanke zählt! Soviel zu den augenscheinlichen Neuerungen.

Auf dem Moviefield angekommen begrüßen wir unsere Stuttgarter Freunde und stoßen an, auf ein hoffentlich schönes, lautes und musikalisch befriedigendes W:O:A 2011!!

 

Donnerstag

Der Donnerstag könnte besser nicht beginnen! Es gibt leichten Nieselregen und angenehm kühle Temperaturen am Morgen, so dass man getrost bis 10 Uhr im Zelt liegen kann, ohne gut durch zu sein. Nach einem kleinen Imbiss und einer Katzenwäsche beginnt der Tag mit abermaligem Schlendern über das Gelände und dem besorgen einer Running Order. Fündig wird man da im Supermarkt auf dem Platz des Bullhead City Zeltes. Der Herr hinter dem Tresen bietet mir, auf meine Frage nach einem Programmheft, eine „Festival total“ an und ich greife zu, um dann festzustellen, dass der Quatsch „Festival today“ heißt. Kann passieren, ist aber schon peinlich! Von nun an folgt das übliche Zeit totschlagen, meist am Zelt mit einem kühlen Blonden.

Die Erste Band des Tages sind SKYLINE. Bei SKYLINE greift der Chef noch selber in die Saiten und so sieht man Wacken Mitbegründer Thomas Jensen auf der Bühne stehen mit Gästen wie Doro, Udo Dirkschneider, Tom Angelripper und anderen Größen des Genres. Da dieses Spektakel jedes Jahr stattfindet, mache ich mir weder die Mühe die ganze Zeit dort zu stehen, noch schaue ich genau hin. Einzig und allein als Udo Dirkschneider „I‘m a Rebel“ und „The Princess of the Dawn“ intoniert, schau ich mir über die Leinwand das Konzert für 10 Minuten an und freue mich.

Der Zweite Act des Tages ist, ungewöhnlich aber wahr, BÜLENT CEYLAN, der schon auf dem Summer Breeze aufgetreten ist. Der Plan mit dem Comedian ging auf, vor der Bühne war es voll und die Menge lachte, grölte und machte sich vielleicht auch hier und da in die Hose. Auch ich konnte mir den einen oder anderen Lacher nicht verkneifen und musste meine Zweifel, ob das denn passt, schnell aufgeben. Meine Zweifel ob es denn nötig war, habe ich jedoch behalten!

BÜLENT CEYLAN live auf dem W:O:A 2011

 

Als Nächstes kommen HELLOWEEN auf meiner Liste. HELLOWEEN haben mir, als langjährigem Schwärmer der Band und begeistertem Anhänger von Andi Deris meist schwachsinnigen Ansagen, sowie seiner unausgesprochenen Unsicherheit bei manchen Tonlagen, schon 2001 und 2004 das W:O:A versüßt und so freute ich mich auf ein Wiedersehen mit Andi und seinen Mannen! Auf der Autofahrt wurde sich schon auf das HELLOWEEN Konzert mit der aktuellen Scheibe „7 Sinners“ eingestimmt und uns war klar, der Gig würde mit „Are You Metal?“ beginnen, doch was dann geschah hat niemand erwartet!! Nachdem die Show nach dem üblichen Intro mit, wie auch sonst, „Are You Metal?“ losmeterte, gab es nach einer Minute einen Knall und es war totenstill. Anscheinend jedoch nicht auf der Bühne, denn HELLOWEEN kasperten fleißig weiter. Kompletter Ton und Videowand-Ausfall!! Das hatte ich auch noch nicht erlebt. Nach einigen Augenblicken haben auch die Jungs auf der Bühne geschnallt was hier geht, oder auch nicht geht. Kurzes Chaos auf der Bühne und sicher auch im Soundturm, doch dann gings weiter. HELLOWEEN fingen gleich beim Refrain an und wollten jetzt erst recht zeigen wo der Hammer hängt! Doch o weh, was ist das? Knall! Nach einer Minute wieder alles ruhig!? Was auch immer das Problem war, es war dann wohl behoben und HELLOWEEN durften nach zwei so riesigen Pannen endlich ihr Set fortsetzen. Allerdings blieb „Are You Metal?“ auf der Strecke und es wurde gleich mit „Eagle Fly Free“ weitergemacht. Das Set wurde zu meiner Freude von den Keeper-Scheiben dominiert, sodass es gleich mit „March of Time“ weiter gehen konnte. Natürlich sollten die Albernheiten mit dem Publikum nicht fehlen und Herr Deris ließ es sich nicht nehmen, nachdem er darauf hingewiesen hatte, dass sie nur noch 46 Minuten Zeit haben, den Animateur zu spielen. So was geht einem richtig auf den Sack und der Sinn will mir bis heute nicht in den Kopf, warum die eh schon viel zu kurze Spielzeit mit diesem Schwachsinn verplempert wird, jedoch hatte er für seinen Schlagzeuger ein paar schmissige Beleidigungen parat, was die Sache nicht ganz so schlimm machte. Stimmlich hatte sich der Sänger gut im Griff, auch wenn er etwas mit den Tonlagen schummelte und sie tiefer ansetzte als von den Alben gewohnt. Das eigentliche Set wurde mit „ Dr. Stein“ abgeschlossen, das Konzert endete aber mit „I Want Out“ als Zugabe, bei der am Bühnenrand noch ein übergroßer Kürbis aufgeblasen wurde der, bis auf den wie immer vor Spielfreude strotzenden Markus Großkopf, das einzige wirkliche Showelement sein sollte.

HELLOWEEN live auf dem W:O:A 2011

HELLOWEEN Interview

Wieder mal mit dabei, sind dieses Jahr auch BLIND GUARDIAN. Was soll man da noch groß zu sagen?! Licht aus, Spot an, für die Krefelder Perfektionisten! Jeder Ton sitzt, worauf ich nach dem Desaster bei Rage 2009 (Hansi hatte seinen Gastauftritt stimmlich total verrissen) besonders drauf geachtet habe und es wird ein Brecher nach dem anderen aus dem Hut gezaubert. Von „Welcome to Dying“, „Nightfall“ und „Time Stands Still (at the Iron Hill)“, über „Tanelorn (Into the Void)“, bis hin zu „Lord of the Rings“ und “Valhalla” ist alles dabei was den BLIND GUARDIAN Fan glücklich macht. Als krönenden Abschluss gibt’s natürlich noch „The Bard’s Song – In the Forest“ und „Mirror Mirror“. BLIND GUARDIAN Sänger Hansi Kürsch machte, wie schon erwähnt einen super Job, doch merkt man ihm noch immer die Unsicherheit auf der Bühne ohne Bass und ohne Haare auf dem Kopf an, was die Stimmung aber nicht schmälerte. Leider konnte ich mich nicht ganz so auf das Geschehen auf der Bühne konzentrieren, da sich alle daran machten den besten Platz für den nachfolgenden Gig, sowie Headliner des Donnerstags, zu ergattern und so gab es ein riesen Chaos auf dem Platz.

BLIND GUARDIAN live auf dem W:O:A 2011

BLIND GUARDIAN Interview

 

So, schnell nochmal aufs Klo, Bier nachfüllen und dann einen Platz einnehmen und verteidigen! Bühne frei für OZZY OSBOURNE!! Kaum betritt der alte Mann die Bühne, beginnt es auch schon im Publikum los zu brechen vor Begeisterung, Hingabe und Schwärmerei. Da es für mich auch das erste Mal ist, dass ich OZZY sehe, komme ich nicht um eine Ganzkörpergänsehaut drum rum und knie innerlich vor OZZY nieder, was ich durch ein breites Grinsen meinen Mitmenschen klar mache. OZZYs Band fegt wie ein Sturm durch die Boxen und es macht so viel Spaß ihnen dabei zu zusehen wie sie dem Prince of Darkness den Rhythmus angeben und die Heide zum Wackeln bringen. Gus G haut in die Saiten als wäre es sein letzter Tag auf Erden und auch die Rhythmusfraktion legt sich ins Zeug. Besonders Tommy Clutetos am Schlagzeug sticht, durch seine überzogene Art zu spielen, positiv heraus! Es scheint als zerballere der Mann das Drum-Kit regelrecht. Ja, man hat sogar Angst, dass das arme Schlagzeug den Auftritt nicht überlebt. Herrlich! OZZY selber hält sich lieber an seinem Mikroständer fest anstatt wilde Aktionen zu starten, was aber auch besser ist, denn man merkt ihm an, dass es doch ziemlich an seinen Kräften zehrt. Abgesehen von einigen Einlagen mit dem Schaumschlauch, dem zeigen seines nackten Hinterns und den Wassereimerduschen, ist OZZY bemüht seinen Bereich, der durch mehrere Monitorboxen abgegrenzt ist, nicht zu verlassen. Die Songauswahl könnte klassischer nicht sein und so überrascht einzig und allein das Fehlen seines Kommerzgassenhauers „Dreamer“. „Mr. Crowley“, „War Pigs“, „Shot in the dark“ (mein persönlicher Favorit!), alles ist dabei. Richtig romantisch und Gefühlsstark wird es zum Ende hin noch einmal mit „Mama, I’m comming home“ damit das Konzert dann einen starken Schluss findet kann mit „Paranoid“. OZZY mag alt sein, OZZY mag nicht mehr Alle beisammen habe, aber OZZY weiß wie er seine Fans bei Laune und die Kehlen am Grölen halten kann. Ich bin froh und dankbar ihn noch in diesem Leben gesehen zu haben, auch wenn die Stärke der Show eher in der Band, die wirklich alles gegeben hat, als in OZZY selber lag.

Nachdem Headliner Gig mache ich mich auf die Suche nach der verschollenen Gruppe und werde auch fündig. So ist es nicht verwunderlich, dass man dann bis morgens um 5 noch durch die Gegend zieht und ausgelassen feiert, um dem Tag einen würdigen Abschluss zu verleihen.

 

Freitag

Verdammt, was ist nur los? Das Wetter scheint perfekt! Wieder einmal kann man in Ruhe ausschlafen ohne von Hitze geweckt zu werden. Ausgeruht, aber leicht benommen von der letzten Nacht, wird beim Frühstück der Plan für den Tag besprochen. Wichtigste Bands heute: SUICIDAL TENDENCIES, SODOM, JUDAS PRIEST, ACCU§ER und was einem sonst noch so über den Weg läuft. Doch erst mal n Bier! Da wir gegen 11.30 Uhr mit dem Essen und vor allem Trinken fertig sind, bleibt nicht viel Zeit jemanden zu treffen oder zu bummeln denn die erste wichtige Band beginnt um 13.15 Uhr, also ab zum Festivalgelände.

 

Der Tag beginnt mit SUICIDAL TENDENCIES und das ist auch gut so! Unspektakulär und ohne großes Tam Tam geht’s los, indem man vom Schlagzeuger lautstark dazu aufgefordert wird doch bitte SUCIDAL TENDENCIES willkommen zu heißen. Nach der Begrüßung wuchtet er sich hinters Schlagzeug und es geht los. In bester Spiellaune und mit einer ordentlichen Lautstärke hauen die Kalifornier in Saiten und Felle! Die Songs haben den Groove, den man braucht um munter zu werden und sich auf den Tag zu freuen. Mike Muir, der Frontmann, zappelt über die Bühne und scheint Literweise Energy Drinks oder Schlimmeres intus zu haben, was dem Spaß aber keinen Abbruch tat und so genießt man diesen frischen aber harten Wind aus Richtung Bühne.

SUICIDAL TENDENCIES

 

Pünktlich um 15.45 Uhr geht es auch gleich weiter mit SODOM. Mit „In War and Pieces“, vom gleichnamigen neusten Output, wird auch gleich zu Beginn der Acker umgepflügt und in den ersten Reihen bricht sofort der Mob los. SODOM boten einen durchschnittlichen bis guten Auftritt. SODOM eben, ohne große Hochs und Tiefs. Einen Brüller hat Tom Angelripper aber dann doch gucken lassen, nachdem er „I Am the War“ vom Album „M-16“ ankündigte, drehte er sich um und fragte ob er denn tatsächlich vom besagten Album sei. Sie hätten schon so viele rausgebracht das man da mal durcheinander kommt. Ansonsten spielten SODOM ihr Set routiniert runter und ich muss zugeben, dass ich mich dann doch lieber auf die Suche nach einem sauberen WC gemacht habe als die Ruhrpott-Thrasher zu gucken.

Von meiner Last befreit, begebe ich mich zurück zur nächsten Band die da AS I LAY DYING heißt. Hier kann ich auch nicht allzu viel sagen da ich mehr quatschte als zu gucken, was aber dem Umstand geschuldet ist das mir die Band am Popo vorbeigeht. Was ich vom Konzert aufgeschnappt habe hat auch nicht wirklich überzeugt und muss als ebenfalls durchschnittlich betitelt werden.

Wieder eine Band die mich nicht interessiert, die ich aber mitbekommen habe, sind TRIVIUM. Klasse gespielter aber völlig belangloser Kram der sich einem eine ganze Stunde lang aufdrängt. TRIVIUM sind eine der Bands, bei denen man die Songs beliebig vertauschen kann und keiner würde es mitbekommen. Warum sie so gehypt werden, kann und will ich nicht verstehen, auch wenn mir Fronter Matthew Heafy sympathisch rüberkommt.

So, eine Band noch am Rande und dann wird’s aber interessant. Die Band am Rande ist HEAVEN SHALL BURN. Ganz ehrlich, ich kenne sie kaum, da mich ihre musikalischen Ergüsse nicht ansprechen, aber was die Jungs da auf der Bühne und besonders im Publikum veranstalten, ist Wahnsinn! Die Meute frisst ihnen aus der sprichwörtlichen Hand und so wundert es niemanden, dass wenn Sänger Marcus etwas verlangt, die Fans es auch tun. Zum Glück wollte er nur ein paar Circle-Pits entfachen, er hätte auch die Stürmung des Vatikans verlangen können und er hätte es bekommen! Noch auffälliger, als die positive Publikumsresonanz, ist aber der mehr als miese Sound. Als Zugabe zum eigenen Zeug gab’s noch eine Coverversion von Edge of Sanity’s „Black Tears“. Dem grottenschlechten Sound ist es jedoch zu verdanken, dass ich dies erst beim ersten Refrain mitbekommen habe. Sofort überzog mich eine Ganterpelle nach der anderen und Erinnerungen wurden wach, als ich 1996 Edge of Sanity, noch mit Dan Swanö, im Knaack, in Berlin, mit diesem Song gesehen habe. Ach wie schön!

HEAVEN SHALL BURN live auf dem W:O:A 2011

 

Nun ist es aber Zeit für British Steel par excellence, JUDAS PRIEST! Ich freu mich wie Bolle auf die alten Säcke und grinse wie ein Honigkuchenpferd als sie endlich loslegen. Leider jedoch verfliegt diese Freude schnell wieder, da JUDAS PRIEST, bis auf Neuzugang Richie Faulkner, eher angewurzelt dastehen als mit dem Publikum zu interagieren. Besonders Rob Halford sein Getue geht mir echt auf die Nerven und ich frage mich was dieser Mann da die ganze Zeit macht. Geht von A nach B und wieder zurück und Mümmelt dabei wie ein neunzig Jähriger. Die erste Stunde, des über 2 Stunden langen Sets, wird von neueren Songs bestimmt und lässt die Zuschauer nicht so recht auftauen, was sich aber spätestens ab „Breacking the Law“ ändert. Hier kommt auch die Größe und die Kraft dieser Band wieder zum Tragen! Von nun an hat man das Gefühl hier stehen andere Musiker auf der Bühne und keine scheintoten Rentner. Nachdem „Breacking the Law“ eingezählt wurde ist die Menge nicht mehr unter Kontrolle zu halten und JUDAS PRIEST lassen sich feiern. Rob nutzt die Gunst der Stunde und ruht seine Stimmenbänder aus, er überlässt das Singen ganz und gar dem Publikum und das kommt an. Bis in die letzte Reihe wird mitgesungen und gegrölt! An „Breacking the Law“ schließt sich ein mittelprächtiges Schlagzeugsolo an welches übergeht in den ultimativen Knaller des Wochenendes, „Painkiller“. Von hier an gibt es kein Zurück und es werden keine Gefangenen genommen. Es bot sich einem ein Bild wie ich es noch nie sah auf dieser Wiese. Es flogen Köpfe, Menschen, Bierbecher, Fahnen, Arme, einfach alles was nicht Niet und Nagel fest war durch die Gegend. Der Sound drückte unsagbar heftig und der Bass brachte im wahrsten Sinne des Wortes die Erde zum Beben! Grandios!! An diesen Knaller schloss sich die erste Zugabe an die unter anderem auch „Electric Eye“ enthielt, welches nicht ganz so gut abgefeiert wurde wie „Painkiller“. Bei „Hell Bent for Leather“und „You’ve Got Another Thing Comming“ wurde sich verhältnismäßig ausgeruht. Was bei der letzten Zugabe passierte, übertraf die Party bei „Painkiller“ um ein vielfaches. Die Videoleinwand zeigte den oberen Teil einer Uhr bei der beide Zeiger auf der Zwölf standen und jeder wusste was jetzt kommt…“Living after Midnight“! Ich habe am Nachmittag noch überlegt ob sie den wohl spielen und siehe da, es geht los. Wie gesagt, bei „Painkiller“ war schon viel los, aber was jetzt abging ist unbeschreiblich! Mir wurde heiß und kalt, ja fast schwindlig vor Freude. Jeder auf dem Platz, aber auch Jeder, sang mit und hüpfte auf und ab. Alles was bei „Painkiller“ durch die Gegend flog, wurde aufgehoben und nochmal durch die Luft gefeuert. JUDAS PRIEST haben nach diesem mehr als schwachen Anfang doch noch das Ruder rumgerissen und die Fans vor der Bühne in überglückliche Freaks verwandelt! Dieser Auftritt wird mir lange im Gedächtnis bleiben, als einer der Stärksten und bewegtesten überhaupt!

JUDAS PRIEST

 

Nach diesem Erlebnis gehe ich noch immer fröhlich und freudestrahlend zur W.E.T. Stage, um mir die Siegener ACCU§ER anzusehen. Die wahren schon mittendrin in ihrem Set und so habe ich leider nur die letzten vier Songs mitbekommen. Diese vier Songs, die ich da sah, konnten mich leider auch nicht so richtig überzeugen da ich, entweder noch völlig geplättet von Judas Priest war, oder aber sie einfach besser in Erinnerung hatte. Auf „Driver Seat“ hatte ich mir eh nicht viel Hoffnung gemacht, oder ich hab ihn verpasst und so stiefelte ich ungerührt sowie etwas enttäuscht zur nächsten Band, die ihr Set auch schon begonnen hatte…

…TRIPTYKON, die als Ersatz für Cradle of Filth eingesprungen sind. Auch TRIPTYKON wollen nicht so recht zünden. Is auch klar, ich war ja gedanklich noch immer bei den Headlinern des Abends hängengeblieben und bin auf diese düstere Mucke jetzt kein bisschen eingestellt. Bandleader Thomas Gabriel Fischer gibt sich Mühe keine Emotionen zu zeigen und versucht die, für Wacken-Verhältnisse, ziemlich wenigen Leute vor der Bühne in seinen Bann zu ziehen. Kommt es bei ihm noch authentisch rüber, so sieht es bei der Bassistin mehr gewollt als gekonnt aus und macht die Sache eher undüster. Auf jeden Fall wurde nicht der Fehler gemacht TRIPTYKON bei Tage spielen zu lassen, es wäre noch schlimmer gewesen. Nichtsdestotrotz will der Funke nicht überspringen und ich bin froh, dass ich den Tag hinter mir habe, da die Füße brennen und die Waden schmerzen.

TRIPTYKON

 

Jetzt nichts wie ab zum Zelt, Stiefel aus, Bier auf und all die Eindrücke verarbeiten die man den Tag über gesammelt hat. Die Vorfreude auf den nächsten Tag wächst, lässt aber schon etwas Schwermut mitschwingen, da es sich um den letzten Abend handelt und die Abreise immer dichter rückt.

 

Sonnabend

So schnell kann’s gehen, eben erst das Zelt aufgebaut und nun schon wieder der letzte Tag. Na, hoffentlich geben die Bands ihr Bestes und die gute Stimmung kann gehalten werden! Das nahezu unheimlich gute Wetter möchte ich an dieser Stelle noch einmal erwähnen. Die letzten Tage war es morgens immer schön kühl und hat sich dann gespenstischer Weise immer dann aufgewärmt, wenn man auf dem Platz stand. Aus diesem Grund lasse ich meine Jacke am Zelt und verlasse mich auf mein Gefühl. Kaum auf dem Platz, scheint die Sonne.

Der heutige Tag beginnt mit THE MURDER OF MY SWEET. Mehr aus Zufall als mit Absicht betreten wir das Zelt und können schon an der Menge des Publikums absehen wie „toll“ die Band sein muss. 200 Nasen sind ungefähr vertreten und stehen sich die Beine in den Bauch für die dermaßen kein bisschen überzeugenden und langweiligen THE MURDER OF MY SWEET. Sie bieten einem, sagen wir mal, Tussi-Metal. Der Latexhosen-Blickfang vorne am Mikro und die kein Stück motivierten Musiker im Hintergrund. Sängerin Angelica gibt sich bedingt Mühe die “Meute” in Schwung zu bringen, doch wird ihr Versuch immer wieder durch die langweilige Band zu Nichte gemacht. Einzig der Schlagzeuger geht ab und lässt erahnen wie es sein könnte wenn die Band ihre eigene Musik gut finden würde.

THE HAUNTED sind die nächsten die ich mir ansehe. Die Schweden sind bestens aufgelegt und rütteln nach der Pleite, mit der Vorgängerband, meine Ohren wieder wach. Die Party Stage groovt und rockt nur so vor sich hin und der Gig ist leider viel zu schnell vorbei.

THE HAUNTED

 

Nebenbei machen sich MAYHEM daran ihren Auftritt bei Tageslicht verpuffen zu lassen. Der Sound war aus meiner Position eher dürftig, von daher kam es auch nicht so rüber wie es von den Herren geplant war. Das nächste Manko ist, dass MAYHEM im Hellen spielen, was viel von ihrer Aura kaputt macht die sie mit Mühe viel aufbauen. Ein mehr als mittelmäßiger Gig der Black-Metal Kapelle.

Mit Freude aber auch Trauer erwarte ich die nächste Band des Tages, ICED EARTH. Mit dem Wissen, dass dies der letzte Arbeitstag von Matt Barlow bei ICED EARTH sein wird, sieht man die Show mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Von dieser Tatsache will man sich das Erlebnis aber nicht kaputt machen lassen und genießt das Konzert bis zur Verabschiedung des Sängers in vollen Zügen. Der Austritt von Matt Barlow hat an diesem Tag auch seine Spuren bei der Band hinterlassen, man merkt förmlich, dass die Jungs alle mit etwas Schwermut behangen sind, was sich auch auf die Stimme bzw. Die Sangesleistung von Matt niederschlägt. Alles in allem ein guter Auftritt und es war schön ICED EARTH noch einmal mit Mr. Barlow erleben zu dürfen!

ICED EARTH live auf dem W:O:A 2011

 

ICED EARTH

 

Gegen 19.00 Uhr starten dann SEPULTURA durch und auch hier ist der Platz fest in ihrer Hand. Es darf also wieder fleißig gesurft, gepogt, gemosht und gedanct werden. Neben neueren Stücken werden auch viele alte Gassenhauer rausgehauen, was besonders die älteren Fans im Publikum sichtlich begeistert. Einen fulminanten Abschluss erfährt der SEPULTURA Gig durch „Roots Bloddy Roots“, bei dem alle Anwesenden noch einmal zeigen können was in ihren vom Wochenende gebeutelten Knochen steckt und das Tanzbein schwingen.

SEPULTURA live auf dem W:O:A 2011

 

Nun wird es peinlich! AVANTASIA starten durch mit ihrem von vielen Gaststars getränkten Konzert. Es werden u.a. Jorn Lande, Michael Kiske und Kai Hansen verbraten. Man kann über die Musik denken was man will, aber Tatsache ist, dass Tobias Sammet ein unangenehmer Zeitgenosse ist, der sich anscheinend eher im Ruhm suhlt, als mit gepfefferten Aktionen auf der Bühne zu punkten. Für mich war es befriedigend zu hören wie schön der Sammet gegen Michael Kiske im Duett abkackte! Tobi, leg dich nicht mit echten Stars an! Der Auftritt von Kai Hansen überraschte deswegen, weil er ohne Gitarre und in einen schwarzen Frack gekleidet die Bühne betrat. Leider gab er nur seine Sangeskunst zum Besten. Hier möchte ich aber auch nochmal meinen Unmut gegenüber der Kameraführung bzw. dem Regisseur aufflammen lassen. Wie kann es sein, dass der Sammet ne Total bekommt wie er hinter dem Schlagzeugpodest n Schluck Bier trinkt, während Kiske vorne Alles gibt. Da ist definitiv etwas falsch gelaufen im Regieraum. Dies war kein Einzelfall.

AVANTASIA live auf dem W:O:A 2011

AVANTASIA Interview

 

Erfrischender geht es danach vor der WET Stage zu bei HAIL OF BULLETS. Leider bin ich auch hier wieder zu spät gekommen, so dass ich nicht Alles mitbekommen habe, jedoch war das was ich sah ganz großes Kino! Das Zelt war voll bis oben, oder besser gesagt hinten, hin voll und wäre van Drunen’s Gesang Wasser gewesen, wären alle bis auf die Knochen nass. Die Stimme ging durch Mark und Bein, auch wenn der Bass etwas zu laut abgemischt war. Der Rest des Sounds musste sich nicht verstecken und so bleibt die Erinnerung an einen drückenden und deathigen Auftritt.

HAIL OF BULLETS

 

Auf geht’s zur, für mich, letzten Band dieses Jahr und der Abschluss könnte nicht besser sein. Auf, auf zu MOTÖRHEAD! Etwas über einen MOTÖRHEAD Gig zu schreiben ist wie Eulen nach Athen zu tragen. Großartige Höhepunkte bleiben aus, bis auf den Trunkenheitszustand von Lemmy oder die geringfügige Abänderung der Setliste ist meist eh nichts zu sagen, aber es macht jedes Mal wieder Spaß die Drei zu sehen und Rock n Roll zu spüren. Dieses Mal war auch wieder der Bomber dabei, der, passend zu „Bomber“, dicht unter dem Bühnendach seine “Kreise“ zog. Wenn das Ding mal runter kommt…auahauaha.

MOTÖRHEAD live auf dem W:O:A 2011

MOTÖRHEAD Interview

 

Ich bin froh all diese Bands gesehen und erlebt zu haben, auch wenn ein paar Nieten dabei waren, aber so ist es nun mal auf einem so großen Festival und warum nicht auch mal die Lutscher mit ansehen?! Besser als auf dem Zeltplatz die Honks zu beobachten die ihr Verständnis von Metal nur aus Taff-Berichten und Punkt 6 haben. An all diese Idioten, sucht euch n Flieger nach Malle. Viel Negatives bleibt auch nicht zu sagen über das W:O:A 2011, bis auf den üblichen Ausverkauf des Wacken als Marke und die wirklich überflüssigen Veranstaltungen im Bullhead City Zelt. Es hat sich alle Male gelohnt dabei zu sein, denn wo bekommt man diese Bands in drei Tagen abgeklappert und das zu einem Preis, der einem sicher hoch vorkommt, aber auf alle Fälle, bei diesen Größen, nicht wirklich überzogen ist. Es bleibt auch die durchgehend positive Stimmung zurück die das ganze Wochenende herrschte. Mir persönlich ist kein Zank oder Streit untergekommen, bis auf die eine Nacht in der einige Betrunkene versuchten mit einem abgebrochenen Weihnachtsbaum aufs Campingelände zu gelangen und von einem Ordner davon abgehalten wurden. Es führte zu einer kleinen Rangelei die aber auf Alkohol und Verständigungsprobleme zu später Stunde zurück zu führen sind. So was kommt aber mal vor und es löste sich auch schnell in Wohlgefallen auf. Es ist immer wieder beachtlich, wie die Organisatoren es schaffen, ein Festival dieser Größe im Griff zu behalten!

 

 

 

Infos am Rande:

 

Größe des Festival Geländes:                                   220 ha

Festival Infield:                                                          42.000 qm

Mobiltoiletten:                                                            600

 

8 Einheiten wassergespülte Toiletten 1.400 wassergespülte Toiletten

8 Megawatt Stromleistung                                           ( entspricht einer Stadt mit 50.000 Einwohnern )

1000 LKW´s mit Material

65 Sattelzüge Bühnenmaterial ( 2.275 t )

6 Sattelzüge Tontechnik

18 Sattelzüge Lichttechnik

Bühnenaufbau: 7 Tage

Bühnenabbau: 2-3 Tage

insgesamt 4.000 Crewmitglieder

120 Bands ( ca. 1.300 Musiker) auf 7 Bühnen

Wie war es bei(m)...

erlebt und notiert von Jannik
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erlebt und notiert von scheuermann
gwar
erlebt und notiert von scheuermann
silly
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