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Aus der Sicht von Matze

Wacken! Eigentlich wollte ich ja nicht mehr hin. Aber da ich zu meinen Aussagen stehe, fahre ich halt dieses Jahr letztmalig auf das Metal-Malle. Und jetzt freue ich mich doch schon drauf. Nachdem der Himmel zum Anfang der Woche endlich den Entschluss fasste, die Schleusen zu schließen, schien es ja auch wieder mal ein nicht nur musikalisch heißes Festival zu werden. Die letzten Jahre war ja das Motto „Rain or shine!“ nur zur Hälfte noch nachvollziehbar.

Mal wieder hatte sich die Abfahrt um nur ein paar Stunden verzögert, doch glücklicherweise stau- und kotrollverschont sind wir am frühen Mittwochmittag glücklich auf dem Platz installiert und das erste, schon weit vor Hamburg herbeigesehnte Bier verhaftet. Wie es sich für eine gute Organisation gehört, durften wir dann doch noch ein anderes Plätzchen suchen, da ja Rettungswege freigehalten werden müssen. Durchaus verständlich, doch der war doch frei und wieso hat man uns erst gesagt der Stellplatz wäre okay? Okay man will ja keinen Ärger mit den wichtigen Leuten mit den hübschen roten Jäckchen, die haben ja den Durchblick und Fahrzeug abschleppen ist ja auch irgendwie doof. Also, halt doch wieder umparken, damit nachher doch wieder alles zugestellt werden darf. Muss man nicht verstehen, bin ja Metaller – also doof… Ist ja auch egal, sonst ist ja alles wunderbar reibungslos gelaufen und es gab sogar Wässerchen und Banänchen zur Bändchenausgabe. Jetzt passt ja alles und wir dürfen endlich weiter Bier trinken mit unseren lieben „Mainstream“-Freunden, freu!

Und bald schon machte man sich bei summer-sunshine-happy-weather auf zur Erkundung des Areals. Steht der Biergarten noch, welche unsinnigen Ballermannaktionen gibt es dieses Jahr und vor allem – können wir endlich ins Wackinger Village? Ich muss doch krankheitsvorbeugend flüssigen Honig schlürfen. Hmm, naja, irgendwie war‘s die letzten Jahre gemütlicher, weil anders, weil entsprechend mittelalterlich gewandet. Schade eigentlich, auch weil ich das Gefühl habe, dass das Village mehr oder weniger zum Durchlauferhitzer für die Headbanger-/Wetstagegänger wurde. Macht erstmal nix, der Met macht mich fröhlich im Kopf. Das machen die doch mit Absicht!? Okay, ab ins großgrößervergrößerte Doppel-wie-auch-immer-Zelt, da die Wetstage dieses Jahr dummerweise vom Festivalhauptgelände verbannt wurde – das schafft Raum, aber halt nix für schnell vorzunehmende Ortswechsel, wie sich später beim Besuch des DRI-Gigs auch bestätigen sollte. Jetzt gucken wir uns erstmal ein paar Contest-Bands an. Ja gut, viel deathmetallisches, sauber gemacht, allerdings nichts spektakuläres, na ja doch EPSILON aus Österreich waren in schön modisches Müllmannorange gekleidet. Spaß beiseite. Wie gesagt, alles gut gemacht, aber leider war der Sound bei den 2-3 Bands, deren Performance wir beiwohnten, nicht gerade sehr differenziert zu nennen und viel zu höhenlastig. Ich frage mich auch, ob es in so einem riesen Zirkuszelt mit sechs Kuppeln überhaupt möglich ist einen brauchbaren Klang zu schmieden. Mit diesen und ähnlichen existenziellen Fragen im Kopf versumpft man allmählich am Fruchtbowlestand und lässt den ersten Tag ausklingen.

Das konstante sanfte Brummen des Stromaggregats für die Platzbeleuchtung verschaffte einen erholsamen Schlaf und so lässt sich der Donnerstag wunderbar ohne Aua im Kopf an. That‘s relaxed Wackenurlaubsfelling! Was steht heute auf dem Programm? Viel Zeit zum Quatschen und Feiern, denn SEPULTURA legen erst am späten Nachmittag los. Kinners, was bin ich gespannt!

So jetzt aber los. SEPULTURA erst vor kurzem aufm DONG erleben dürfen. Da waren sie schon Oberhammer. Ehrlich gesagt waren für mich SEPULTURA mit „neuem“ Sänger einfach nicht mehr relevant. Damals! Aber, wie gesagt: Heute freue ich mich irrsinnig. Vor allem bin ich gespannt, was für ein Rhythmusgewitter losbricht bei dem Experiment mit „LesTambours du Bronx“. Nachdem ja plötzlich alles auf Akustik oder auf Orchester macht – das ist doch mal was Neues. Eigentlich kann ja nix schief gehen. Thrash on bloody Mülltonnenroots. Und los geht’s mit den „Tambours“ ohne SEPULTURA. Rhythmus, Power – aber Hallo! Dann kommt die brasilianische Abrissbirne zum Einsatz und was soll ich sagen? Arsch auf Eimer! (Chaos A.D.? nee, so was von nix Chaos!! Exakt, intensiv!) Obwohl, brauchts denn das Getrommel von einem Dutzend Straßentrommler um das Riffmonster zu unterstützen? Jetzt erstmal nur der Fünfer. Und ja geil, aber es fehlt was. Die Trommler hauen so dermaßen rein, das ist Leistungssport. Dabei legen sie so eine Timing-Genauigkeit an den Tag, das haut einen einfach um. Haben die Songs zwei oder zwanzig Jahre auf dem Buckel – egal: Es kracht. Diese Art des Zusammenspiels ist einzigartig. Keine Ahnung was so alles rausgehauen wird, bin auch nicht so beschlagen in der Nach-Max-Cavalera-Phase. Ich bin geplättet! „Sepulnation“, „Choke“.-absolute Spielfreude, die die Herren an den Tag legen. Dann auch noch einer der Tambours als Sänger. Junge Junge, was für eine Kraft. Ein drahtiges Kerlchen, der die 40er auch schon ein paar Tage hinter sich gelassen hat, aber quirlig, wie ein Boschknethaken. Stellt euch eine Mischung aus Overkill-Blitz und Catweazle vor und steckt dann noch einen Finger in die Steckdose und ihr wisst, was ich meine. Dann noch eine coole Überraschung, was geht denn da? Wer kommt denn auf so eine Idee? „Firestarter“ von Prodigy – Industrial meets Thrash meets Öltrommelrattata! Experiment gelungen, Deckel zu, so kann’s weiter gehen.

Okay, zur Abwechslung mal SAXON. SAXON aufm Wacken, aber Hallo. Nee, mal im Ernst, muss das immer sein. Kennt man doch irgendwie alles. Ist halt wie mit Motörhead…. Und was heißt das jetzt? Ist doch klar – SAXON ist Metal und Metal muss sein! Und um es vorwegzunehmen. Nichts falsch gemacht. Saustarke Unterhaltung. Souverän, professionell und keine Sekunde langweilig. Bei einem Backkatalog von mindestens 1000 Klassikern kann ja aber auch nichts schief gehen. Klar auch, dass der eine oder andere Song trotzdem immer vermisst wird, aber ich muss echt sagen von vorne bis hinten Klassiker aus den frühen 80ern bis zu aktuellen Krachern. Als Backdrop der Crusader auf jeden Fall passend, führen die britischen Sachsen (oder waren’s doch sächsische Briten) ihren metallischen Kreuzzug durch die Welt. Und so hallt denn auch der „Heavy Metal Thunder“ über Wacken. Mit „Power & The Glory“ – ach wie geil, ich lieben diesen Song, ich liebe diese LP (ja, genau –schwarz, rund, 33 Umdrehungen), nach Höhen und Tiefen in ihrer Karriere – Biff und Mannen geben niemals auf und mindestens „20.000 Füße“ stampfen. Der große alte Mann des Metal „Gotta Rock to Stay Alive“ und das tut er. Die Stimme allezeit im Griff und so knattert der „Motorcycle Man“ dann auch mit mindestens 180 PS durch die Kurven. Und sie rocken die Nation. Wer es dann auch noch nicht wusste, dass der Mann, der das lustige Glockenspiel betätigt Nigel heißt, der kann es dann in großen Lettern lesen. Schön, was es für tolle drumriser gibt. Dann gehen die „Batalions of Steel“ in die nächste Runde. Der Adler ist gelandet bei glasklarem, druckvollem Sound und mit tollem, blinkendem „Gefieder“. Und so drehen sich die „Wheels of Steel“ weiter und die Zeit steht da in nichts nach. Wenn man bedenkt, dass ein Gitarrist der nunmehr über 15 Jahre an Bord ist immer noch als „der Neue“ vorgestellt wird. Bei „To Hell and Back Again“ prangt dann auch das Saxon-Logo von der Bühne, und wo Saxon drauf steht, von da schallt dann auch „Denim & Leather“ her. In bester AC/DC-Manier gibt es dann noch einen netten Bass-Ride, der aber supertight zu den „Strangers in the Night“ rübergleitet. Alles töfte ausgeleuchtet, ich bierselig beleuchtet, grinse ich dann auch meine „Princess Of The Night“ an. Schee wars und jetzt gehen wir zu VOLBEAT die Hüften wackeln.

Nach der süßen Stille der Nacht gibt’s etwas ENDSTILLE am frühen Morgen. Doch sorry, so früh kann man nicht in den Krieg ziehen. Erstmal die zwei K! Kaffee und K…..äh Morgentoilette und so ist der Frontverlauf halt etwas anders und wir kommen gerade noch zum letzten Schusswechsel. Schade, könnte gut gefallen haben und die schönen Spielsachen auf der Bühne hätte ich auch gerne in meinem Garten – würden zu meiner imaginären Flak auf’m Garagendach passen. Nun gut, was dem einen sein „home is my castle“ ist mir SACRED REICH.

Mann was freue ich mir ein zweites Loch in A… Immer noch das letzte Konzert im Münchner Backstage anno 2009 in Aug und Ohr enter ich den Todesstern und mit „Victim of Demise“ geht’s gleich brachial tight in die „Thrash-Zone“ – äh nee, stimmt, da geht’s ja erst nachher hin? Na gut, isse halt auch hierher an die True Metal Stage verlegt worden. SACRED REICH werden absolut nicht mit „Ignorance“ gestraft – da hat sich wohl die Erinnerung an die letzte Wacken-Reunion-Großtat herumgesprochen. Und auch dieses Mal funktioniert der Zeitsprung. Gut gemachter 80er Thrash der Marke „Love/Hate“ und „Minority of Decision“ zeigen, dass sie die Klasse haben und knapp ein Viertel Jahrhundert später noch frisch und unverbraucht klingen.

Diese Thrasher Altern in Würde, so würde ich auch gern altern. Aber das dauert halt noch zwanzig Jahre oder so. Da ist nichts aufgesetzt oder gestellt. Und so darf sich der große bassspielende und singende Bär durchaus outen. „I don’t know“ aber Disneys „Lion King“? Das ist ja Kindergarten! Da lobe ich mir doch „Die Schöne und das Biest“. Was wollte ich jetzt damit sagen? Ja, genau, ganz seine Rede. Zu viel Hass, zu viel Gewalt, scheiß auf Wall Of Death, wir sollten den Circle of Life zelebrieren. Richtig, das wäre mal ein „American Way“. Egal, auch dieses Riffmonster ist ein „Crime against Humanity“. Das ist „Independant“, sich über die Jahrzehnte den „Thrash“ zu bewahren und im Hier und Jetzt so souverän zu bestehen. „Johnny“ ist auch heut noch so intensiv, dass ich Gänsehaut bekomme. Dann nochmal das Surfbrett raus und ab nach Nicaragua. Black Sabbath’s „Warpigs“ noch zum Schluss und schon ist ein genialer Auftritt viel zu schnell zu Ende.

Aber was für ein herrlicher Tag! Wenn schon kein NEVERMORE, dann halt die Legende SANCTUARY. Die Erwartungen sind groß bei mir, mindestens so hoch wie die Hoffnung, dass Warrel Dane sich nicht die falschen Smarties reingepfiffen hat um seine angeschlagenen Stimmbänder zu beruhigen. Vielleicht erinnert sich ja noch der eine oder andere an den katastrophalen letzten NEVERMORE-Auftritt in Wacken. Oh je, jetzt hoffe ich, dass ich nicht für diese Gotteslästerung sterben muss. Leider ist auch bei „Die For My Sins“ der Sound noch genauso leise wie undifferenziert und lässt jede Power vermissen, wie beim Opener “Eden lies obscure“. Erst mit „Taste Revenge“ wird’s etwas besser. Insgesamt ist der Sound keine Meisterleistung, was dem vertrackten, progressiven Material, das in der Regel nicht so leicht ins Ohr geht und leider nicht den Bekanntheitsgrad der Götterhymnen Nevermores aufweist, bedauerlicherweise keinen Gefallen tut. Und so kann auch Herr Dane, der einen fitten Eindruck wie lange nicht mehr macht, leider seine Ausnahmestimme nicht in dem Rahmen präsentieren, der ihr zukommen müsste. So ist im Großen und Ganzen die Resonanz des Publikums auch eher verhalten. Schade, denn gerade „Into the Mirror Black“ und das Übercover „White Rabbit“ von der Refuge Denied-Scheibe sind eine Klasse für sich. Aber Warrel Dane ist ein Profi, der wohl den historischen Stellenwert der Band einerseits und seine Zugkraft andererseits doch ganz gut einschätzen kann und sich so nicht nur den Die-Hard-Fans der ersten Reihen sondern auch der insgesamt doch ganz erklecklichen Anzahl an interessierten Zuhörern als charismatischen Frontmann präsentiert, der sich auch über zu früh angekündigte neue Songs köstlich amüsieren kann. Dieser Mann steht über den Dingen. So kommt halt jetzt “I Am Low“. Direkt und frisch reiht sich der Neuling nahtlos in das alte Material ein. „When Worlds Collide“ kracht mächtig und zeigt die Qualität der Instrumentalfraktion. Melodiös und kraftvoll, exakt auf den Punkt – so soll es sein, so ist es. Als dann noch – natürlich – der „Battle Angel“ herabsteigt und das Ende einläutet, scheint alles geritzt. Alles in allem war’s okay, meiner Erwartungshaltung wurde SANCTUARY jedoch nicht ganz gerecht. Vielleicht gibt es demnächst ja eine Clubtour? Ich denke da wird sich die ganze Klasse der Band offenbaren.

Aua, aua! Tut mir Leid, aber OVERKILL einfach sausen lassen!? Ja doch! Fehler, definitiv, denn selbst vom Platz aus blitzt es doch ganz gewaltig. Naja, es ist halt doch auch so, dass Matze auch mal Mittag-Frühstücken sollte. Bier ist zwar auch Brötchen, aber kauen zwischendurch… basta, wat mutt datt mutt! Und weil‘s so schön ist, tut der Himmel rechtzeitig zu CORONER seine Schleusen auf. Egal, wer CORONER versäumt, der hat eine Legende in Sachen technisch anspruchsvollem Thrash verpasst. Und wer schon mit der Rückkehr der Schweizer Avantgarde-Metaller auf die Bretter die die Welt bedeuten, nichts anfangen kann, der nutzt Songs wie „Masked Jackal“ und das in meinen Augen groovigste Teil des Schweizer Käse “Metamorphoses“ – leck mich am Arsch, das Riff fräst sich einfach in die Hirnrinde – zum Zähneputzen. Leute gibt’s,tststs! Und ja doch bei „Lethargic“ kommt Rana das Ding aus dem Sumpf. Wer so schön matschen kann, dem scheint die Sonne aus’m Arsch! Aber bitte, ferkelt euch woanders ein und lasst mich in Ruhe. Apropos Ruhe! Der Mensch, der da die elektrischen Soundteppiche fabriziert, muss wohl eine Koryphäe sein, ist mir aber egal. Braucht es doch nicht! Intros oder hin und wieder mal ein Effekt ist schön, aber ansonsten finden sich für meinen Geschmack zu viele Webfehler in der Auslegeware. Davon abgesehen ist der Gig ein einziger Ohrenschmaus. Kurzweilig faszinieren Songs wie „Divine Step“ auf Grund ihrer hypnotisch-präzisen Uhrwerkperformance. Die wortkargen Alpenländler beschließen ihr Set mit „Grin“ und lassen mich nass aber glücklich im Regen stehen. Ach, der hat ja gerade mal aufgehört.

Also dann, mal ab durch den Acker von der Party Stage (stimmt sogar, es war feucht, sehr feucht und fröhlich) zur Headbanger Stage. Sollte in 15 min. ja gut machbar sein. Nix da, absolute Fehleinschätzung. Ohne Schwimmflügel und Außenbordmotor geht gar nichts. Aber locker bleiben, für Moorkuren musst du woanders viel Geld zahlen. Mist, schon wieder nicht nachgedacht. Wacken ist auch nicht billig. Also ich meine mich zu erinnern, dass irgendwann mal viel Stroh etc. verteilt wurde, um dem Schlamm einigermaßen Herr zu werden. Also vom Hauptgeländematschloch über das verschlammte Wackingerdorf durch ein Freibad vor der WET Stage (wie passend auch) bzw. Headbanger Stage. Eintritt in die heilige „Halle“, die ganz gut gefüllt ist. Es sind doch einige DRI Maniacs jeglichen Alters (U20-Ü40) am Start und feiern die Band lautstark ab. Keine Ahnung, wieviele Songs die Herren schon gespielt haben? Meine erste Begegnung mit den damals noch jungen Hüpfern der Skate-Punk-Wie-Nannte-Man-Das-noch-gleich – ja klar, Crossover, hatte ich zu jener Zeit, als eben die „Crossover“ der verrückten Amis das Licht der Welt erblickte. Jetzt leicht ergraut, aber wie es scheint immer noch grandios einen positiv an der Klatsche. Ich laufe gerade rechtzeitig zu „Acid Rain“ ein, das echt geil, authentisch und mit viel Spaß rüberkommt! Da ist mächtig Energie auf der Bühne. Viel Bewegung des Mannes am Tieftöner und in ständiger Interaktion mit dem Publikum! Der Viersaiter brummelt und rumpelt schön durch das Programm. Der Sound hier ist nach wie vor mächtig bescheiden. Ich denke aber auch, dass es mit diesen ganzen Kuppeln in dem Zirkuszelt wohl kaum besser geht. In dem Fall macht diese Kakophonie aber irgendwie nichts aus. Spaß auf der Bühne – mächtig Fun im Pit. Klein aber fein und echt! Nach CORONER zwar ein Kulturschock, allerdings ein Schock der besten Art. Bei deren Thrash Education hat man einfach Spaß und der „Five Year Plan“ geht voll und ganz auf!

Und jetzt mal „schnell“ wieder zurück. Man will ja die norwegischen Schwarzheimer (nein die haben mit Black Metal nichts mehr gemein – whimps – Verräter) nicht verpassen. Ich gebe zu, mit „Abrahadabra“ habe ich schon so meine Schwierigkeiten, aber das ganze symphonische Material mit Orchester zu erleben, das kann ich mir gut vorstellen und ich freue mich darauf. Aber was soll ich sagen? Ich bin so was von enttäuscht! Es liegt weder am Material, noch an den Musikern, noch am Orchester. Es fängt schon damit an, dass der Vorhang, der zu Beginn des Sets mit mächtigem Getöse fallen soll sich in/um Shagrath verfängt. Oder verfängt er sich in dem Vorhang? Mich nimmt das ganze allerdings – mal wieder – nicht gefangen. Sorry, aber DIMMU BORGIER fand ich auf Wacken immer mächtig. Mächtig fürn Arsch! Kommt mir jetzt bloß nicht mit keine Ahnung, warste besoffen, auf welchem Gig warst Du denn. Nee, lasst euch mal die Ohren durchpusten! Ich bin vielleicht taub, aber der Sound war eine Frechheit. Ich brauche kein Orchester, wenn ich das sehe aber akustisch kaum wahrnehme und die eigentliche Band so dermaßen leise und glattgebügelt klingt. Das ist… - ach was, jedes Wort zu viel! Aber heutzutage feiert man ja gerne, wo es nichts zu feiern gibt. Das einzig positiv zu Erwähnende am Auftritt der Nuclear Blast-Megaseller: Die Sängerinder Band DJERV. Extravagant, gewöhnungsbedürftig im Styling aber mit einer bockstarken, ausdrucksvollen Stimme! Lohnt sich glaube ich, die Dame mal mit ihrer Band Ohral zu kosten.

Was gibt es zum Freitag noch viel zu meckern? Ich bin kein Freund von IN FLAMES, die waren mir immer zu anders, anders als ich es hören will. Fragt sich nur warum ich vier Scheiben von denen besitze – bin halt auch anders, vielleicht!? Auch live haben sie mich nie begeistert. Aber das, was ich heute erlebe ist schon geil. Toller Sound, tolle Lightshow, tolle Songs. Und das alles noch megasympathisch performed. Super, und heute stehe ich auf Höhe einer Freßbude am Arsch der Welt und warte auf – Godo? Nein, IN EXTREMO heißen die. Und ich warte, und ich warte auf die nächste Enttäuschung. Auch hier sind deren letzte Outputs nicht mein Ding und leider spielen die Spielmänner enorm viel davon. Dem Publikum sonst gefällt deren Set, mir fehlen halt vor allem „meine“ Klassiker. So ist der Gig für mich enttäuschend und ich habe keinen Bock mehr. Ab zum Platz und noch ein, zwei schwarze, coole, gutgeformte Blonde vernaschen und gut ist es für heute.

Gut erholt und startklar für den Samstag. Das Programm hat es in sich. So viele starke Bands, die es zu sehen gilt. Aber für mich geht es richtig relaxed erst am frühen Nachmittag los. NAPALM DEATH stehen auf dem Zettel. Und die sind allemal eine Reise wert. Aber heute geht so einiges schief. Tja, manch einer kennt das vielleicht. Festival, man lernt die einen oder anderen netten Leute kennen, hat noch ein oder zwei Cola im Kofferraum und…. Okay schauen wir halt PARADISE LOST! Kacke, die haben ja zeitgleich gespielt. Gut, gehen wir später halt zu SICK OF IT ALL. Noch ein Bierchen? Was sagt die Uhr? Aber, TESTAMENT ist ein Muss für mich. „Du nicht?“. Ja, ist ja auch grade so nett hier. Und Regen, ne muss jetzt auch nicht sein. Noch ein Bierchen? Mist MOONSPELL vorbei und CRADLE OF FILTH spielen ja auch schon! Jetzt aber los endlich. Das Langschiff legt ab! AMON AMARTH zwar auch nichts Neues mehr, weder studiotechnisch noch live. Aber was will man erwarten? AMON AMARTH sind immer noch eine Wucht und wer sie noch nicht erlebt hat, sollte das mal schleunigst nachholen! Okay, auch hier mal wieder: Guter Sound – Fehlanzeige! Undefiniertes Gitarrengeschwurbel meets drucklose Rhythmusarmee angeführt vom Oberwikinger ohne Ricola, der sich, wie es scheint, auch körperlich dem dünnen Sound etwas angepasst hat. Das habe ich schon, nicht nur lauter, sondern auch wesentlich differenzierter er- und überleben dürfen. Das macht den „War of the Gods“ erstmal nur zu einem kleinen Strohfeuer. Doch die wieder einmal immense Spielfreude der Nordmänner machen Hymnen wie „Death in Fire“ und “Fate of Norns“ einfach unvergesslich. Und so feiert die Meute von den ersten Reihen bis zum Mischerturm kräftig ab. Eindeutig mehr „Victory“ anstatt Death auf ihrem „Victorious March“. Unglaublich sympathisch kommt auch wieder der hünenhafte Sänger Johan Hegg rüber, auch wenn das Thorshämmerchen etwas – ähem – ja doch sehr lächerlich rüberkommt mit dem bisschen Geblitzel (warum habe ich eigentlich mein Kinderfaschingsschwert weggeschmissen?) Nichtsdestotrotz macht das folgende „Twilight of the Thundergod“ mächtig Dampf. Trotz der Schwächen im Soundgewand ist die Reise auf dem Langboot wieder eine wahr Freude und so ist mit „Guardians of Asgard“ leider viel zu schnell Schluss!

Langsam aber sicher neigt sich dann auch das diesjährige Wacken dem Ende zu. Noch einmal immense Freude, die Hannoveraner Altrocker auf ihrer zweiten (oder dritten?) Abschiedstour abfeiern zu dürfen. Warum aber müssen die SCORPS mit einem so bescheidenen „Sting in the Tail“ starten. Der Song ist einfach Bäh! Das findet wiederum auch der Himmel, der zur Abwechslung seinen Schleusen öffnet und es wird gaaanz leicht feucht von Oben. Das tut dem Spaß bei der Perfomance der deutschen Rocklegende keinen Abbruch. Mit „Love Drive“, „Make it Real“ oder „The Zoo“ werden wahre Klassiker hervorgekramt und überzeugend dargeboten. Wie in jungen Jahren rockt der Fünfer wie ein Hurrikan, „Blackout“ und „Dynamite“ werden powervoll ins Publikum gefeuert, ein solides Drumsolo gerattatrommelt und der Peristroika-Hit wird an- und sogleich wieder abgepfiffen. Man kann von den Herren Meine und Schenker halten was man will – die SCORPIONS sind Hardrock und Metal-Geschichte –Amen. Sie sind heimgekommen und mit „Still Loving You“ bringen sie auch bei mir bierseligen Regenpipi in die Augen. Völlig aufgeweicht vom unablässigen schaurigen Wetter hab ich dann doch die Schnauze voll und verzichte auf MINISTRY und verkrümel mich Richtung Basis. Mal schauen wie die Fahrt morgen durch die Schlammwüste wird. Goodbye Wacken 2012 – Tschau Freunde, Stay Metal!

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